Wahnsinns-Hochzeiten – ein Erlebnisbericht zum Nachdenken

Letztes Jahr haben zwei meiner besten Freunde geheiratet, einer im Frühjahr, der andere im Herbst. Wie schön, wenn Träume wahr werden, aber das kommt wohl auf den Standpunkt an. Beide Hochzeitsfeiern waren für die Brautpaare das absolute Highlight ihres Lebens – denke ich zumindest, bei dem Aufwand, der dabei betrieben wurde. Aber das ist heutzutage anscheinend normal, wobei meiner Meinung nach der Begriff „normal“ erneut überdacht werden sollte.

Alles fing eigentlich schon in dem Moment an, als beide Paare den Entschluss fassten, zu heiraten. Seit diesem Zeitpunkt gab es auf ihren Social Media Accounts kein Halten mehr. Fotos, Videos und Anekdoten aus allen vier Kindheits- und Jugendzeiten bis zum Abwinken. Schon da fragte ich mich, warum sie nicht gleich ein Hochzeitsbuch schreiben. Kaum gedacht – schon gemacht. Zwar kein Buch, aber auf ihren persönlichen Homepages entstanden Hochzeitsseiten mit allen wichtigen Informationen über die Paare, die geplante Hochzeit und die Hochzeitsreise. Schon vor der ersten Feier wuchs in mir der Druck, ständig auf dem Laufenden sein zu müssen, was gerade Neues hochgeladen wurde. Es schien beinahe, als gäbe es so etwas wie einen Wettbewerb zwischen den Pärchen, wer letztendlich die bessere Hochzeit feiert, der sich später leider bestätigte.

Letztlich wurden es dann auch zwei Hochzeiten der Superlative. Hochzeiten, Orte, Essen, Ambiente, alles war perfekt. Die Einladungen versorgten mich mit Information zum jeweiligen Dress-Code (Standesamt, Kirche, Feier) sowie Hochzeitstisch und Übernachtungsmöglichkeiten, denn die jeweils zweitägigen Veranstaltungen fanden weit ab jeder Zivilisation statt, in einem Schloss und einem Parkhotel. Da ich natürlich nicht auf beiden Hochzeiten gleich aussehend aufschlagen konnte, habe ich alleine im letzten Jahr mehr Geld für Klamotten ausgegeben, als in drei Jahren davor zusammen. Mit allen anderen Ausgaben zusammengerechnet weiß ich jedenfalls, dass ich mir dieses Jahr keinen Sommerurlaub leisten kann und drei Hochzeiten im Jahr schaffe ich finanziell auf keinen Fall. Wenn ich ehrlich bin, habe ich schon Panik davor, wer alles demnächst heiraten wird.

Wer kann das noch “normal” finden?