Immer weniger „Handmade Music“ auf Partys – Was ist los?

Während noch bis Ende des 20. Jahrhunderts jeder ganz verrückt darauf war, mal wieder alte Musikstücke (Evergreens) auf Partys zu singen und so mancher Partygast sein Instrument mitbrachte, ist seit Eintritt ins neue Millennium eher „Hängen im Schacht“ bzw. „Pustekuchen“ mit sog. „Handmade Music“ angesagt. Gibt es keine Musiker oder Hobby-Bands mehr oder hat keiner mehr Lust zu singen? Die Frage zu beantworten scheint nicht ganz einfach. Dass niemand Live-Musik mag, kann es jedenfalls nicht sein, denn es werden bekanntlich auch 200 Euro oder mehr für Konzerte oder Musik-Festivals ausgegeben.

Wer spielt eigentlich noch Musikinstrumente?

Das ist vielleicht eines der Kernprobleme, denn das Spielen von Musikinstrumenten geht seit Jahren stetig zurück. Keine Zeit, kein Geld und „keine gesellschaftliche Akzeptanz“ sind die Hauptargumente in den Umfragen. Während sich durchschnittlich 1975, also vor gut 40 Jahren, fast in jeder Familie wenigstens eine/r fand, die/der ein Musikinstrument spielte, ist es heute mehr die Hälfte. Dadurch verliert sich natürlich auch der persönliche Bezug zum Selbst-Musik-Machen. Wer in einem Umfeld groß wird, wo niemand ein Instrument spielt, der scheut natürlich auch die Anschaffungskosten für das Instrument und die Unterrichtsstunden. Und dann wäre da ja auch noch der enorme zeitliche Aufwand. Mindestens eine Stunde üben pro Tag sollte es schon sein, besser zwei. Nur, wer hat diese Zeit in unserer modernen „to go“-Gesellschaft denn überhaupt noch?

Teuer ist anscheinend irgendwie auch besser

In der modernen Musiklandschaft hat sich, vielleicht durch die elektronische Musik, auch etwas wie ein Hang zum musikalischen Perfektionismus ausgebreitet. Bühne, Ambiente, Musik, Sänger/in und Show, all das zusammen wirkt auf vielen Konzerten und vor allem in Video-Clips mittlerweile eher wie ein Gesamtkunstwerk, weniger wie ein cooles Musikstück. So ist es auch kein Wunder, dass Stars und medialer Rummel immer wichtiger werden als die Musik selbst. Es geht in erster Linie um kommerzielle und präsentierbare Emotionen, wie ein Selfie, und dafür ist man bereit, Geld zu bezahlen, obwohl es sehr viele gute Gratis-Konzerte gibt.

Leave a Reply